Umgang mit christlichem Rechtspopulismus
Dr. Martin Fritz im Austausch mit lippischen Pfarrerinnen und Pfarrern
Theologische Motive und rhetorische Strategien.“ Präses Michael Keil, derzeit Vakanz-Vertretung im Amt des Landessuperintendenten, erläuterte in der Klosterkirche Blomberg den Hintergrund.
Er erinnerte daran, wie im Kommunalwahlkampf 2025 sich AfD-Kandidaten vor lippischen Kirchen positionierten „und sich den Anschein gaben, da gehören sie hin, das ist ihr Ort“. Björn Höcke war Anfang dieses Jahres zum Foto an den Externsteinen. Der Besuch des rechtsextremen Politikers habe in Lippe Verletzungen und Anfeindungen zur Folge gehabt. Und Christfluencer in den Sozialen Medien verdrehten christliche Inhalte und machten so auf ungute Weise Stimmung.
Innerhalb des Phänomens „Rechtes Christentum“ lassen sich zwei unterschiedliche Sphären unterscheiden, erläuterte Dr. Martin Fritz von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin).
Zum einen positionierten sich Teile der Neuen Rechten christlich, teils eher aus politisch-strategischen Gründen, teils aus echter Überzeugung. Zu dieser Sphäre zählen „Pegida“, das „Institut für Staatspolitik“ und die „Identitäre Bewegung“. Einschlägige Organe seien zum Beispiel „Sezession“ und „Kontrafunk“, prominente Vertreter Götz Kubitschek und Maximilian Krah.
Zum anderen gebe es Christen, die sich neurechts positionieren. Zu deren Organen könnten „kath.net“ sowie „Die Tagespost“ gerechnet werden. Organisationen seien zum Beispiel der „Arbeitskreis Christliche Coronahilfe“ oder die „AG Welt“, die ihren Sitz in Lage hat. Der wohl prominenteste Vertreter sei der ehemalige ZDF-Journalist und „christliche Musterpopulist“ Peter Hahne. Leitideen seien eine traditionalistische Ethik, das Kulturideal einer möglichst homogen christlichen Gesellschaft und das Religionsideal eines „objektiven“, unhinterfragt gültigen Christentums.
Martin Fritz sieht in diesem christlichen Rechtspopulismus eine Reaktion auf Liberalisierungsprozesse in der Gesellschaft, auf ein dominantes „linkes Christentum“ und reale Machtverluste im Blick auf Männermacht und konservative Deutungsmacht. Hinzu kämen Reaktionen auf politische Krisen wie Migration und Corona, außerdem Radikalisierungsdynamiken in neuen Medien. Die Neigung zur Dauerpolemik und Dauerzuspitzung, Anti-Woke- und Anti-Gender-Polemik oder auch Islamfeindlichkeit begleite diese „Kulturkampferhitzung“ von Teilen des konservativen Christentums.
Der Referent hat aber auch Beruhigendes parat. Martin Fritz sieht noch keine amerikanischen Verhältnisse in Deutschland. Der Theologe rät zur „Bemühung um die Integration der Konservativen“. Es habe bei manchen einen Übergang nach rechts gegeben: „Das waren mal Konservative“. Konservatismus setze auf Erhalt und organisierten Wandel. Seine Empfehlung: „Suchen Sie das Gespräch mit den Gesprächsbereiten“.
In einem Worldcafé diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pfarrkonferenz, wie man mit diesen Entwicklungen in der Gemeindearbeit umgehen kann. Stichpunkte: Positives hervorheben, die Vielfalt feiern, Kontakt halten, zuhören, um zu erfahren, welche Kränkungen Menschen erfahren haben, und sich in dem Themenfeld fortbilden.
02.07.2026
